Hoffnung und Glaube
"Wir werden Mirco wiedersehen!"
von Esther Dymel-Sohl
In Gottes Hand sind die Tiefen der Erde und die Höhen der Berge!Psalm 95,4
"Seit dem 26.01.2011 haben wir die traurige Gewissheit: Unser Sohn Mirco ist tot", sagt Reinhard Schlitter bewegt. Fast fünf Monate des Zweifelns und Hoffens liegen nun hinter ihm und seiner Familie. Als Mirco am Abend des 03. September 2010 nach dem Spielen nicht mehr nach Hause kam, begann eine Suchaktion, die es vorher so in Deutschland noch nicht gegeben hatte. Mehr als 1.000 Polizeibeamte durchkämmten zwischen dem 05. und 10. September 2010 ein Gebiet von 50 Quadratkilometern rund um Grefrath und drehten jeden Stein um – keine Spur von dem Jungen. Am 17. September 2010 überflogen zwei Tornados der Bundeswehr 130 Quadratkilomter – ohne Ergebnis.
"Wir wollten in den ersten Tagen am liebsten gar nicht mehr das Haus verlassen, weil wir befürchteten, einen wichtigen Anruf oder Nachricht zu verpassen", erzählt seine Frau Sandra. Immer stand ein frischgebackener Kuchen oder duftende Kekse auf dem Tisch: "Damit auch Gebackenes da ist, wenn der Mirco wieder nach Hause kommt. Das war uns irgendwie sehr wichtig."
Wochen des Wartens…
Doch aus Tagen des Wartens wurden Wochen des Wartens. "Sechs Wochen lang haben wir uns jeden Abend zum Gebet bei uns im Haus getroffen. Wir baten Gott für Mirco und auch für den Menschen, der sein Verschwinden zu verantworten hat." Auch die Freie Christengemeinde Krefeld bot regelmäßig Gebetsgottesdienste an. Irgendwann wurden die Gebetsabende im Hause Schlitter auf montags und mittwochs gelegt. "Die M-Tage; M für Mirco", so Sandra Schlitter.
Große Anteilnahme der Bevölkerung
Doch aus den Wochen wurden Monate. Das Ehepaar Schlitter berichtet von der großen Anteilnahme, die ihnen aus der Bevölkerung entgegengebracht wurde. Viel Post erreichte sie. "Ein älterer Herr aus einem Seniorenheim schrieb uns so lieb, dass sich zwischen uns eine regelrechte Brieffreundschaft entwickelt hat. Ja, wir bekamen sogar Anrufe und Emails aus den USA, Afrika und Irland." Reinhard Schlitter erzählt von einer Grefrather Mitbürgerin, die bei einem Treffen auf der Straße ihre Sprachlosigkeit mit den Worten zum Ausdruck brachte, da könne man nur noch beten. "Gott hat uns in all den Monaten wirklich durchgetragen", sind sich das Ehepaar Schlitter einig. "Immer wieder hat er uns getröstet und auch wir durften andere ermutigen. Das hat viele erstaunt und so hatten wir viele, gute Gespräche über die Hoffnung, die wir durch unseren Glauben an Jesus Christus haben."
Zeitung lesen die Schlitters momentan nicht. "Doch unsere Freunde sammeln alle Artikel, damit wir uns später einmal ein genaues Bild der Berichterstattung machen können. - Die SOKO Mirco hat sich so intensiv um Aufklärung bemüht, dass wir oftmals nur noch staunen konnten", sagt Reinhard Schlitter. Durch die beständigen Presse-Veröffentlichungen der aktuellen Fahndungsergebnisse der Polizei, blieb die Familie von Journalisten weitestgehend unbehelligt. "Darüber waren wir sehr dankbar."
Mörder gefasst
Als dann am 26. Januar 2011 der Mörder Mircos gefasst und klar war, dass Mirco bereits am selben Tag seines Verschwindens getötet worden war, "machte sich irgendwie auch Erleichterung in mir breit – Erleichterung, dass wir nun nicht mehr zwischen Hoffen und Bangen leben müssen", sagt Sandra Schlitter. Den Mörder ihres Kindes bezeichnen Mircos Eltern als "belasteten Menschen, der nicht wusste, wohin mit seiner Last. Er muss wohl im wahrsten Sinne des Wortes vom Teufel geritten worden sein. Doch wir wissen, wohin mit unserer Last – wir bringen sie Gott, jeden Tag aufs Neue."
Eine Zeit der Erholung darf die Familie Schlitter derzeit an einem Ort des Friedens erleben, bevor sie dann Mirco beerdigen und ohne ihn weiterleben muss.
Am Donnerstag, den 03. Februar 2011 wird Grefrath in einem öffentlichen, ökumenischen Gottesdienst um 18.30 Uhr Abschied von Mirco nehmen. Präses Roman Siewert hält die Predigt. Einige Zeit später wird sich dann die Familie gemeinsam mit der Freien Christengemeinde Krefeld, mit Freunden und der Schulklasse unter Ausschluss der Öffentlichkeit von Mirco verabschieden. Die Trauer der Familie Schlitter ist groß und doch gibt das Bibelwort der Traueranzeige aus Psalm 95 Vers 4 Halt und Zuversicht: In Gottes Hand sind die Tiefen der Erde und die Höhen der Berge. "Uns bleibt eine ewige Hoffnung: Wir glauben, dass Gott Mirco an seine Hand genommen hat, um ihm den Himmel und alle Herrlichkeit zu zeigen. Und wir werden Mirco wiedersehen!"
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